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Wir präsentieren hier Literaturlisten und andere Werkzusammenstellungen zu aktuellen Wirtschaftsthemen

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Ökonomische Ideengeschichte – Teil 6: Silvio Gesell und das Schwundgeld

Im März 2012 wäre Silvio Gesell, ein äußerst unkonventioneller deutscher Wirtschaftstheoretiker, 150 Jahre alt geworden. Seine zentrale Idee läuft den gängigen Vorstellungen der meisten Ökonomen – und auch der Durchschnittsbürger – zuwider: Geld soll nämlich nicht endlos gehortet werden können und auf diese Weise zu Reichtum führen, sondern als Schwundgeld mit der Zeit an Wert verlieren. Kreative Ökonomen wie z.B. Keynes, Fisher und Wicksell waren von seinen Ideen angetan, und die andauernde Finanzkrise brachte sie wieder in der allgemeinen wissenschaftlichen Diskussion in Umlauf.


Ökonomische Ideengeschichte – Teil 5: Ordnungsökonomik

“Eine methodische Auseinandersetzung in der Ordnungsökonomik war längst überfällig” konstatieren Lars Feld und Ekkehard Köhler in ihrem grundlegenden Beitrag “Zur Zukunft der Ordnungsökonomik.” Die Ordnungsökonomik als genuin deutsches wirtschaftstheoretisches Konzept ist zuletzt in die Jahre gekommen. Exzellent beleumundet war dieses Denkmodell nach dem Zweiten Weltkrieg, stützte sich doch die Wirtschaftspolitik des weithin verehrten Ministers Ludwig Erhard im Wesentlichen auf ordnungsliberale Grundsätze.

Doch seitdem hat sich die Wirtschaftswelt fundamental verändert, nicht zuletzt durch den Bedeutungszuwachs der EU und die Globalisierung.

Die Finanzkrise und die Uni-Ökonomie: Des Kaisers neue Kleider?

Seit vor ca. einem Jahr an dieser Stelle eine Literaturübersicht zur analytischen Kompetenz der ökonomischen Wissenschaft in der Finanzkrise erschienen ist, hat sich die Problematik zugespitzt: Die Kritik am weitgehenden Versagen der herrschenden theoretischen Ansätze und an den Ökonomen, die in der Lehre selbst angesichts tiefgreifender Strukturkrisen nicht von den Standards abweichen wollen, hat nun auch die deutschen Universitäten erreicht.

Mancherorts gibt es einen Aufstand der Studierenden, die wie das Kind im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern rufen: “Aber er hat ja gar nichts an!” Zu offensichtlich ist die Diskrepanz zwischen den well-behaved models und der chaotisch-komplexen Realität.

 

Ökonomische Ideengeschichte – Teil 4: Betriebswirtschaft im Fokus

Die herrschende Betriebswirtschaftslehre ist gegenüber wissenschaftstheoretischen und wirtschaftshistorischen Fragestellungen noch wesentlich reservierter als die Volkswirtschaftslehre. Als “Optimierungswissenschaft” hat sie bis vor relativ kurzer Zeit das Unternehmen als “black box” angesehen, dessen nicht näher definierbare Prozesse man mit Hilfe von mathematischen Funktionen zu optimieren hoffte, und die als unabhängig von Zeit, Raum und kulturellen Gepflogenheiten angenommen wurden.

Inzwischen ist erfreulicherweise ein partielles Umdenken zu beobachten und eine größere Offenheit für alternative methodische Ansätze und die Erkenntnisse anderer Disziplinen.

Ökonomische Ideengeschichte – Teil 3: Ronald Coase

Zu den profilierten Kritikern der traditionellen Wirtschaftstheorie gehört der britische Ökonom Ronald Coase, der im Dezember 2010 seinen einhundertsten Geburtstag feiern konnte und immer noch als Forscher aktiv ist. Er bezeichnet die herrschende Lehre als “blackboard economics”.

Mit seinen Aufsätzen zur Theorie der Transaktionskosten (“The nature of the firm”, 1937) und der Eigentumsrechte (“The problem of social cost”, 1960) trat Coase als Pionier der Neuen Institutionenökonomik hervor und erhielt 1991 den Wirtschafts-“Nobelpreis” der Schwedischen Reichsbank zugesprochen.

Inzwischen hat sich Coase der dynamischen chinesischen Wirtschaft zugewandt und plant eine Buchveröffentlichung zum Thema.

Ökonomische Ideengeschichte – Teil 2: Finanzkrise

Die letzte große Finanzkrise mit ihren weitreichenden Erschütterungen hat vielerlei Ängste erzeugt, zu deren Kanalisierung oder Zerstreuung die Vertreter der etablierten Ökonomie wenig beizutragen hatten. Im Gegenteil, in ihrer Ratlosigkeit trugen sie mit dem Schüren sowohl von Inflations- als auch Deflationsängsten noch weiter zur Verunsicherung bei.

Ökonomische Ideengeschichte – Teil 1

Eine Meldung im Handelsblatt lässt aufhorchen: Es gibt Überlegungen des Europäischen Forschungsrates, in seinen Richtlinien zur Forschungsförderung zukünftig auf die Eigenständigkeit von ökonomischer Ideengeschichte und Wirtschaftshistorie zu verzichten.

Diese Disziplinen befinden sich ohnehin in einer prekären Lage, denn die ökonomische Theorie analysiert in ihrem Mainstream bekanntermaßen nach wie vor Punktmärkte ohne zeitliche und räumliche Dimensionen sowie ohne spezifische Verhaltensannahmen wirtschaftlicher Akteure. Als Folge dieser selbstgewählten Beschränkung versagte die etablierte Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten mehrfach: Weder beim Zusammenbruch des europäischen Ostblocks, bei der deutschen Wiedervereinigung noch in der jüngsten Finanzkrise konnte sie Entscheidendes an Erklärungen und Empfehlungen beitragen.

Heterodoxe Ökonomie: Institutionalistische Analysen in der Betriebswirtschaft

Beim Institutionalismus handelt es sich um einen heterodoxen Ansatz der Wirtschaftstheorie, der mit der kürzlich hier vorgestellten Evolutorischen Ökonomik verbunden ist. Er war Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA sehr verbreitet und gewinnt seit einigen Jahren wieder an Einfluss und Interesse. Ursprünglich als Alternative zum geschlossenen Modell der Neoklassik entstanden, besteht ein wesentlicher Unterschied darin, dass keine zeitliche und räumliche Allgemeingültigkeit theoretischer Erkenntnisse postuliert, sondern bei einem pragmatischen Theorieverständnis gerade auf die Analyse empirischer Befunde Wert gelegt wird. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung institutioneller Gegebenheiten (z.B. Rechtssystem, kulturelle Gewohnheiten, gesellschaftliche Verhältnisse), und aus der Evolutionstheorie übernommen wird die Annahme, dass Institutionen nicht konstant sind, sondern einem Entwicklungsprozess unterliegen (institutioneller Wandel).

In jüngerer Zeit werden institutionalistische Analysen auch für betriebswirtschaftliche Themenstellungen eingesetzt, die sich in Form und Inhalt erheblich von den üblichen Optimierungsansätzen unterscheiden.

Darwin in der Betriebswirtschaft

Das Darwin-Jahr 2009 erinnerte einerseits an den 200. Geburtstag (*12.02.1809) des britischen Naturforschers und andererseits an die Publikation seines Hauptwerks „On the Origin of Species“ („Die Entstehung der Arten“) vor 150 Jahren.

Auch in der Ökonomie gibt es Ansätze, die versuchen, Elemente der biologischen Evolutionstheorie für die Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge fruchtbar zu machen. Im folgenden sind einige Veröffentlichungen aus jüngerer Zeit zusammengestellt, die speziell betriebswirtschaftlich interessante Themenstellungen aufgreifen und aus evolutionstheoretischer Perspektive bearbeiten. Schwerpunkte liegen vor allem in den Bereichen Konsumentenverhalten und Organisationstheorie.

Die evolutorische Ökonomik versucht im Gegensatz zur Mainstream-Ökonomik nicht, ein geschlossenes Theoriegebäude zu errichten, sondern greift verschiedene Aspekte der Evolutionstheorie auf. Der wichtigste Unterschied liegt im Abweichen von der beliebten, aber statischen, und daher für die Realität relativ unergiebigen Gleichgewichtsbetrachtung. Evolutorische Ansätze sind prozessorientiert und beziehen historische Bedingtheiten in die Analyse ein. Wichtige Vorläufer derartiger Untersuchungen sind u.a. Thorstein Veblen und Joseph Schumpeter.

Angebotspolitik in Deutschland

Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik (oder Angebotspolitik) beruht auf einer ökonomischen Lehrmeinung (Angebotsökonomik) und umfasst die ausschließliche regulatorische Konzentration auf die Angebotsseite von Märkten zuungunsten der Nachfrageseite. Durch eine allgemeine Deregulierung der Märkte (z. B. durch Bürokratieabbau), aber vor allem durch umfangreiche Unternehmenssteuersenkungen, soll die Güterproduktion innerhalb der Volkswirtschaft gesteigert werden. Gemäß dem Sayschen Theorem würde dieses erhöhte Güterangebot auch die Nachfrage erhöhen.

Mit der allgemeinen Abkehr von einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik keynesianischer Provenienz Anfang der 1980iger Jahre (Reagonomics (USA), Thatcherismus (Großbritannien)) setzte sich mit dem Amtsantritt der Kohl-Regierung im Jahre 1982 diese Politik auch in Deutschland durch. Aktuell versucht die neue schwarz-gelbe Bundesregierung mit dem gerade erst verabschiedeten Wachstumsbeschleunigungsgesetz genau auf die oben beschrieben Effekte zu setzen.