Rankings – Reputation oder Austrocknung der Wissenschaft?

In der Arbeitspapierreihe CESifo Working Paper erschienen im Herbst 2010 zwei Papers zu der Bedeutung von Zitationsrankings für Wirtschaftsforschende und die Wissenschaft selbst. Das erste Paper untersucht empirisch, ob bibliometrische Maße in Wissenschaftsarbeitsmärkten eine Rolle spielen und das zweite Paper kritisiert genau diese zunehmende Rolle von Rankings heftig.

In dem Arbeitspapier von Glenn Ellison

How does the market use citation data? The Hirsch Index in Economics / Glenn Ellison
München : CESifo, 2010
Online-Ressource (PDF-Datei: 30 S., 408 KB). : graph. Darst.
CESifo working paper ; 3188

untersucht der Autor, ob die bibliometrische Kennziffer “Hirsch Index” ein “Frühindikator” ist zur Vorhersage mit wem ausgewählte volkswirtschaftliche Lehrstühlen in den USA neubesetzt werden, d.h. wer hat als nächstes die besten Aussichten einen renommierten Lehrstuhl zu ergattern. Glenn Ellison kommt zu dem Ergebnis, dass ein modifizierter“ Hirsch Index“, in den nur wenige Publikationen der Autorinnen und Autoren mit hoher Zitationsrate und Impact einberechnet werden, tatsächlich stark korreliert mit der Neubesetzung von volkswirtschaftlichen Lehrstühlen (eine ausführlichere Zusammenfassung siehe im Blog „Cheap Talk“).

Das zweite Paper stammt vom schweizerischen Prof. Bruno S. Frey, der im Gegensatz zu Glenn Ellison die „ranking mania“ stark kritisiert und vor einer Austrocknung der Wissenschaft deutlich warnt.

Withering academia? / Bruno S. Frey
München : CESifo, 2010
Online-Ressource (PDF-Datei: 13 S., 188 KB)
CESifo working paper ; 3209

Bruno S. Frey kritisiert nicht nur die Fixierung auf Rankings sondern sieht noch weitere Entwicklungen im Wissenschaftsbetrieb als Gefahr für die akademische Wissenschaft, wie zum Beispiel der zunehmende Publikationsdruck auf junge Forscherinnen und Forscher, der auch dazu führen kann, dass die jungen Leute zu Betrügern werden, um im harten Wettbewerb zu bestehen. Kritisch sieht der Autor auch die zunehmende Arbeitsteilung in der Forschung, die zu einer Verwässerung der „Universität“ als „Ort der Wahrheitssuche und des Lernens mithilfe methodischer Untersuchungen“ („the locus of seeking truth and learning through methodolgical inquiry“) führt.
Wer jetzt denkt, dass der Autor diese harsche Kritik anbringt, weil er in den Rankings weit abgeschlagen ist, der irrt gewaltig – Prof. Bruno S. Frey ist einer der „Sieger“ des letzten Handelsblatt-Rankings, worüber wir in diesem Blog schon berichtet haben.

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