Anfang August 2010 gibt es in ganz Schleswig-Holstein keine Haupt- und Realschulen mehr, da beginnend mit dem Schuljahr 2010/2011 diese in Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen umgewandelt werden. In den Gemeinschaftsschulen werden Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Leistungniveaus gemeinsam von der 5. bis zur 10. Klasse unterrichtet. Auch wenn viele Eltern noch skeptisch sind, so ist die große Hoffnung der Bildungspolitik, dass durch den gemeinsamen Unterricht der Notendurchschnitt der schwächeren SchülerInnen von ihren besseren Klassenkameraden angehoben wird. In der angelsächsischen Literatur nennt man dies „peer effect“ (MitschülerInneneffekt). Solche „peer effects“ werden in der sozialwissenschaftlichen Forschung weltweit ausführlich erforscht und auch die bildungsökonomische Forschung beschäftigt sich intensiv damit. Allerdings sind sie außerordentlich schwer zu identifizieren.
Welche Schulleistung ein Kind erbringt, hängt von vielen Faktoren ab, so könnte es an den Lehrkräften liegen, wenn ein Kind sich verbessert oder an der Ausstattung der Schule mit Lehrmitteln oder es sind die von den Eltern bezahlten Nachhilfestunden. Um nun nur einen bestimmten Effekt zu identifizieren und die anderen auszuschalten, müssen komplizierte statistische Methoden angewendet werden, daher ist die ganze empirische bildungsökonomische Literatur ( und nicht nur die Literatur zum „peer effect“) sehr mathematisch. Einen guten (nicht-mathematischen) Überblick geben Martin Schlotter, Guido Schwerdt und Ludger Wößmann in:
Was die MitschülerInnen und ihre positiven oder auch negativen Effekte auf die anderen Kinder betrifft, so wird in vielen empirischen Untersuchungen ein positiver „peer effect“ zumindest schwach bestätigt. Jetzt gibt es aber eine neue Untersuchung aus Kanada, die einen starken positiven „peer effect“ identifiziert hat, da in ihr ein relativ neues ökonometrisches Modell geschätzt wird. In der Studie unter dem Titel
wird der Schulerfolg von Viert- und Fünftklässlern aus Quebec in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaft, Geschichte und Französisch (Muttersprache in Quebec) untersucht. Die WissenschaftlerInnen finden heraus, dass wenn sich die besseren SchülerInnen um eine Notenstufe verbessern, dann verbessert sich der Notendurchschnitt der MitschülerInnen in Mathe um +0,82, in Geschichte um + 0,65 und im Fach Französisch um + 0,5 Notenstufen. Für das Fach Naturwissenschaft konnte die Studie kein signifikanten Parameter errechnen. Es wird also auch in dieser Studie ein positiver „peer effect“ bestätigt und dies mit einer Identifikationsmethode, die gegenüber anderen Methoden fortschrittlicher und exakter ist. Diese Methode erschien im Journal of Econometrics unter dem Titel


