IWH-Forscher: Studiengebühren schrecken ab

Die Studentenproteste in vielen Universitätsstädten gehen weiter. Eine der Forderung ist die Abschaffung der Studiengebühren. Da es nicht in allen Bundesländern Studiengebühren gibt, wird erforscht, wie sich dieser Zustand auf die Mobilität der Studierwilligen auswirkt.
Nach einer Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) verändern sich die Wanderungsbewegungen der Studienanfänger “Länder ohne Studiengebühren verbessern ihre Wanderungsbilanz” schreiben die IWH-Forscher in Ihrem Aufsatz unter dem Titel:

Im Fokus: Studiengebühren verändern Hochchullandschaft
Alexander Kubis; Lutz Schneider: Marcel Demuth
In: Wirtschaft im Wandel . – Halle, S. : IHW, ISSN 0947-3211,
Bd. 15 (2009), 11 , S. 452 – 455

Als Datenbasis verwendeten die Wissenschaftler die Bildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes und untersuchten die Wanderungsströme vom Wintersemester 2003/04 bis 2007/08. Dabei stellten sie über den Zeitraum fest, dass Bundesländer mit Studiengebühren eine Nettoabwanderung verbuchten, während die Länder ohne Studiengebühren im Saldo eine Zuwanderung von Studienanfänger hatten.
Damit scheinen sich die Ergebnisse des IWH den Forschungsergebnissen des DIW – über die in der WiWi-Werkbank berichtet wurde – zum gleichen Thema zu widersprechen.
Schaut man/frau sich aber beide Untersuchungen genauer an, so verfolgen die DIW-Forscherinnen mehr einen mikroökonomischen Ansatz zu einer Teilmenge der Studienanfänger (“natural experiment”) während die IWH-Forscher mehr einen globale Betrachtung (Wanderungsströme der Studienanfänger) durchführen. In beiden Studien wird festgestellt, dass die Studierenden sehr immobil sind und ihren Studienstandort im eigenen oder im benachbarten Bundesland wählen. Auch stellen die DIW-Forscherinnen fest, dass die Wahrscheinlichkeit für den Verbleib im eigenen Bundesland bei Studiengebühren leicht sinkt, d.h. auch im DIW-Forschungspapier kommt es zu Abwanderungen und die IWH-Forscher beobachten, dass viele (insbesondere ostdeutsche) Länder ohne Studiengebühren immer noch in der Summe eine negative Wanderungsbilanz haben, auch wenn sie sich durch die Studiengebühren stark abschwächt.
Aus letzterer Beobachtung leiten die IWH-Forscher aus ostdeutscher Sicht die Empfehlung ab, in den neuen Bundeländern vorerst auf die Einführung von Studiengebühren zu verzichten, da sie die Vorteile der Nettozuwanderung aus westdeutschen Ländern höher einschätzen als die Einnahmen aus den Studiengebühren, so schreiben sie:
“Für die ostdeutschen Länder stellt sich die Frage nach Nutzen und Nachteil von Studiengebühren in einer ganz besonderen Weise. Erstens wird die Studiernachfrage … in Anbetracht des Einbruchs der Geburtenzahlen nach 1989 dramatisch zurückgehen. Es scheint daher geboten, die in den letzten Jahren sichtbare und auch auf den Verzicht von Gebühren zurückzuführende Steigerung der Zuwanderung westdeutscher Studienanfänger nicht durch die Erhebung von Gebühren zu gefährden.”

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