DIW-Forscherinnen: Klassenbeste bleiben trotz Studiengebühren !

In vielen deutschen Universitätsstädten protestieren die Studentinnen und Studenten. Überraschenderweise steht nicht die Abschaffung der Studiengebühren an erster Stelle der Forderungen, sondern oft geht es um eine Verbesserung der Studienbedingungen und insbesondere mehr Freiheiten bei den  Bachelor-Studieninhalten. Haben sich die Studierenden mit den Studiengebühren abgefunden oder sind sie in Bundesländer abgewandert die keine Studiengebühren erheben?

Mit der Frage der Mobilität der Studierwilligen beschäftigt sich ein Forschungspapier des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) unter dem Titel:

Do tuition fees affect the mobility of university applicants? : evidence from a natural experiment
Nadja Dwenger; Johanna Storck; Katharina Wrohlich
Berlin : DIW, 2009
Online-Ressource (25 S., 475 KB). : Kt.
Discussion papers / German Institute for Economic Research ; 926

Die drei Wissenschaftlerinnen untersuchen die Wahrscheinlichkeit für den Verbleib von GymnasialabsolventInnen in ihrem Heimatbundesland trotz Einführung der Studiengebühren, also sie vergleichen das Studienstandortwahlverhalten vor und nach Einführung der Studiengebühren für angehende MedizinstudentInnen im Zeitraum 2002 -2008 (“natural experiment”).

Generell ist über längere Zeiträume (und auch international)  festzustellen, dass junge SchulabgängerInnen bei der Wahl ihres Studienstandorts sehr immobil sind; sie studieren entweder in Ihrem Heimatbundesland oder in einem benachbarten Bundesland. Auch nach Einführung von Studiengebühren – so das Forschungsergebnis - verringert sich die Wahrscheinlichkeit für eine Aufnahme des Studiums im Heimatbundesland nur um etwa zwei Prozentpunkte, d.h. der Großteil der Studierwilligen läßt sich nicht von den Studiengebühren abschrecken.
Die DIW-Forscherinnen haben aber ihre Daten noch genauer untersucht und sich näher das Notenniveau der AbiturientInnen angesehen und dabei festgestellt, dass Schülerinnen und Schüler mit den besten Noten eher im Heimatbundesland trotz Einführung von Studiengebühren studieren als die Schüler mit dem schlechteren Notenniveau. Bundesländer mit Studiengebühren haben demnach einen doppelten Vorteil, sie generieren Gebühreneinnahmen und sie sind attraktiver für Studierende mit Bestnoten!
Die Gründe für das Verhalten der Studierenden wurden im Forschungspapier nicht untersucht, aber die Autorinnen sind der Meinung, dass ihre Ergebnisse die Diskussion zum Thema  Hochschulfinanzierung über Studiengebühren im Föderalstaat Deutschland und die Einführung der so genannten “Landeskinderregelung” (Studierende aus dem Heimatland sind von der Gebühr befreit) wieder anheizen könnte.

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