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Rigour versus Relevance – Betriebswirtschaftslehre als anwendungsorientierte Wissenschaft

Die Beschäftigung mit Fragen des eigenen Selbstverständnisses hat die Betriebswirtschaftslehre in Deutschland bereits seit ihren Anfängen immer wieder begleitet. Dabei hat sich in Abhängigkeit von den wechselnden Rahmenbedingungen der Schwerpunkt der Betrachtung häufig geändert; gleich geblieben ist jedoch die Einschätzung, dass es sich bei der BWL um eine Wissenschaft von hoher praktischer Relevanz handelt.

In den letzten Jahren ist die Thematik wieder zunehmend in den Fokus gerückt; so wurde sie z.B. in das Programm der jüngsten Pfingsttagungen  (2007), ( 2008)  des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft aufgenommen: „Rigour versus Relevance“ impliziert dabei einen trade-off zwischen modelltheoretischer Stringenz auf der einen und Lösungskompetenz für Probleme der Unternehmenspraxis auf der anderen Seite.

Ein wichtiger Grund für die gegenwärtige kritische Auseinandersetzung liegt in der Ausweitung der BWL zu einem der beliebtesten Studienfächer an deutschen Hochschulen und in der damit einhergehenden starken Ausdifferenzierung der Disziplin in zahlreiche Spezialgebiete. Auch die Bevorzugung von Methoden der mathematischen Optimierung sowie von weiteren Verhaltensannahmen im Sinne der Rationalität eines homo oeconomicus, welche die praktische Umsetzung in der betrieblichen Realität erschweren, spielen eine Rolle.

Von Seiten der Unternehmenspraxis wird diese Ausrichtung häufig beklagt und als mangelnde Hinwendung zu bedeutsamen Problemstellungen im unternehmerischen Alltag wahrgenommen. Die zunehmende Komplexität der Entscheidungssituationen und der wachsende Erfolgsdruck im globalen Wettbewerb lassen eine größere Unterstützung durch Ergebnisse der Forschung wünschenswert erscheinen. Hier schließt sich dann der Kreis, denn eine bessere Anwendbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse der BWL würde den Rechtfertigungszwang der Disziplin bezüglich der eigenen Daseinsberechtigung reduzieren.